Hamburg, Schwammburg.

Pils Pub Mitte, Stuttgart

9. Februar 2008 · Kommentar schreiben

Es ist der alte kalte Kaffee von Yin und Yang: Viele Menschen mögen es, beim wochenendlichen Ausgang mit Schmackes über die Stränge zu schlagen, doch nur Kenner wissen jene Art der Ausschweifung zu schätzen, in die sich gleichzeitig auch die Ahnung des grausamen Endes mischt. Der „Pils Pub Mitte“ ist ein Ort solcher bittersüßer Trink-Dialektik. Zwar wecken Fischernetze an der Decke und Wandschmuck mit Motiven aus dem Bereich der Galanterie die süße Erinnerung an amourös vertändelte Stunden in schwülen Gefilden – doch von diesen zwei Elementen abgesehen durchweht den Pils Pub Mitte ein kühler Hauch nonchalanter Prosaik. Das Spirituosenregal etwa kommt gänzlich ohne bunte Fancydrinks aus, sondern besinnt sich und den Gast aufs Wesentliche. Nachdem die anfänglichen Verlegenheitslösung Asbach-Cola ausgetrunken ist, sucht man die Beratung der Barfrau. Auch wenn es sich natürlich um einen Pils-Pub handelt, sei doch die Frage erlaubt: Gibt es noch was anderes außer Whisky? Die Antwort ist ausgebufft: „Wie wäre es mit Jacky? Oder Jack Daniels? Oder Johnny Walker?“ Groß ist das Hallo, als man im überraschend aus dem Kühlschrank gezauberten Wodka-Apfelsaft dann doch noch einen gemeinsamen Nenner findet. Auf dem Damenklo findet man dann ein eventuell für den allgemeinen Gebrauch ausgelegtes Ludergedeck, bestehend aus ältlicher Toupierbürste und Lippenstift. Ein Sittengemälde der Vergänglichkeit von Gryphiusschen Ausmaßen. Natürlich ist der Lippenstift „vrai rouge“, kreischrot: Die Farbe der Liebe, die Farbe der Hölle.

Pils Pub Mitte, Rotebühlstraße 44, Stuttgart

(Jacky Lourdes)

Kategorien: Ausgehen und Einkehren · Schnapps
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